Shan-fei, Kommunistin

 

Wir dokumentieren an dieser Stelle einen Artikel aus dem Klassenstandpunkt #7.

Shan-fei, Kommunistin

Wie einleitend beschrieben ist dieser Text eine Übersetzung aus dem Buch „Portraits of Chinese Women in Revolution“ von Agnes Smedley aus dem Jahr 1976. Aus diesem Buch haben wir bereits die Geschichte „Des Märtyrers Witwe“ veröffentlicht. Die 1892 als Tochter eines Minenarbeiters in den USA geborene Journalistin Agnes Smedley berichtete für verschiedene Zeitungen in den 1930er und 40er Jahren von der chinesischen Revolution. Nach ihrem Tod 1950 wurde sie auf dem Friedhof der Revolutionshelden in Peking beigesetzt. Die Aufgabe des proletarischen Feminismus ist es, den bürgerlichen und kleinbürgerlichen Feminismus zu bekämpfen. Dieser Aufgabe dient dieser Text, denn er gibt ein Beispiel des Heroismus der kämpfenden Frau.

Dies ist die Geschichte von Shan-fei, Tochter eines reichen Grundbesitzers in Hunan, China. Erst ging sie zur Schule und trug Seidenkleider und hatte einen Füllfederhalter. Aber dann wurde sie Kommunistin und heiratete einen Bauernanführer. In den darauffolgenden Jahren…Aber ich werde von Anfang an erzählen.

            Und angefangen hat es mit ihrer Mutter. Eine seltsame Frau. Sie war altmodisch, hatte gebundene Füße und hatte die Angewohnheit, bei jeder Wunschäußerung ihres Ehemannes, der allem Althergebrachtem und Feudalem die Treue hielt, den Kopf zu neigen. Und doch musste sie auf eine Art und Weise rebellisch gewesen sein. Sie sah ihre Söhne aufwachsen, zur Schule gingen und mit neuen unbekannten Ideen zurückkehrten. Manche dieser Ideen handelten von Frauen mit ungebundenen Füßen; Frauen, die wie Männer studierten, die heirateten, wen und wann sie wünschten. Während ihre Söhne redeten, saß die Mutter an ihrer Seite und hörte zu; ihre Augen ruhten auf ihrer kleinen Tochter, Shan-fei, die in ihrer Wiege strampelte. Und lange dachte sie nach. Was ihre Gedanken waren, wissen wir nicht – aber wir wissen, dass sie schlussendlich für die Freiheit ihrer Tochter starb.

            Diese Schlacht wurde hinter den hohen Steinmauern ihres Heimes ausgetragen. Der Feind war ihr Ehemann und seine Brüder. Und die Waffen der Mutter waren die alten Waffen aller unterworfenen Frauen: Tränen, Flehen, Listen, Intrigen. Zuerst gewann sie in einer Sache: Ihr Ehemann stimmte zu, dass Shan-fei unterrichtet werden sollte. Er lud einen alten chinesischen Lehrer ein, der zu ihnen nach Hause kam und ausschließlich chinesische Schriftzeichen lehrte. Aber Shan-feis Füße sollten abgebunden werden und sie sollte nach altem chinesischem Brauch zur Heirat versprochen werden. Und so wurden dem Kind die Füße abgebunden und sie wurde dem schwächlichen Sohn eines reichen Nachbars – ein korrupter alter Mann mit vielen Konkubinen –  versprochen.

            Bis zu Shan-feis elftem Lebensjahr herrschte ihr Vater in der Familie wie ein Tyrann. Doch dann verstarb er unerwartet. Vielleicht war es natürlicher Tod und vielleicht weinte Shanfeis Mutter aufrichtig um ihn. Doch kaum war das Begräbnis vorbei, schon wurden die Verbände von Shan-feis Füßen abgenommen; und die Erde auf dem Grab war noch locker, als Shan-fei auf eine einhundert li weit entfernte Schule kam.

            Obwohl die Verbände entfernt wurden, waren die kleinen Füße nach fünf Jahren „Behandlung“ bereits verkrüppelt und die halb abgestorbenen nutzlosen Zehen versteckten sich wie Steine unter der Fußsohle und blieben für das Mädchen eine Behinderung ihr Leben lang.

            Nichtsdestotrotz waren die Verbände weg, und mit ihnen das Symbol einer der vielen Arten von Sklaverei. Es blieb noch die Verlobung mit dem Sohn des reichen Mannes. Solche Verlobungen sind in China rechtskräftig, und die Familien, die diese brechen, können vor Gericht geladen und hart bestraft werden, so als ob sie ein schweres Verbrechen begangen hätten. Nun, Shan-feis Mutter schien Tendenzen zu zeigen, die von Anhängern des alten Feudalismus als kriminell gesehen werden könnten. Sie wurde verdächtigt, allerlei Ränke zu schmieden, um die Verlobung zu lösen.

            Schlimmer noch: Es wurde geredet, dass sie Shan-fei nicht zum Gehorsam erzog, wie es sich für Mädchen gehört, sondern sie zum Freigeist und Rebellion ermutigte. Dieses Gerücht verbreitete sich, als die Nachricht umging, dass Shan-fei einen Studentenstreik gegen die korrupte Administration ihrer Universität anführte. Zu diesem Zeitpunkt ging sie auf die sechzehn zu, ein gutes Alter, um verheiratet zu werden. Nun, sie wurde mit Schande aus der Schule ausgeschlossen und kehrte nach Hause zurück, mit stolz erhobenem Haupt. Und ihre Mutter? Anstatt sie zur Vernunft zu bringen, unterhielt sie sich flüsternd allein mit ihrer Tochter, um sie dann bloß auf eine etwas modernere, im fernen Wuchang am Yangtze liegende Schule zu schicken, von wo aus Gerüchte kamen, dass Shan-fei als eine Anführerin der Studentenbewegung berühmt wurde. Darüber hinaus studierten in Wuchang Männer und Frauen zusammen.

            Die Sache wurde so schlimm, dass der reiche Grundbesitzer gegen Shan-feis Mutter eine Anklage vor Gericht wegen Intrigierens zur Verhinderung der Heirat erhob. Aber die alte Dame verteidigte sich auf solch geschickte Art und Weise, dass sie selbst das Gericht davon überzeugte, dass sie nichts anderes als einen Aufschub der Heirat um weitere zwei Jahre wollte.

            Sie überzeugte den Richter – aber nicht den Grundbesitzer. Und, wie es der Brauch war, zog dieser den bewaffneten Landadel zu Hilfe; als Shan-fei in den Schulferien nach Hause zurückkehrte, machten sie den Versuch, die mit Gewalt gefangen zu nehmen. Sie scheiterten, Shanfei floh und blieb ein weiteres Jahr in Wuchang. Als sie erneut zurückkehrte, wurde der Versuch der Gefangennahme wieder unternommen. Mit der Hilfe ihrer Mutter entkam sie, hielt sich bei den Bauern versteckt und ging auf indirekten Wegen wieder nach Wuchang. Als sie in Wuchang ankam, wartete auf sie schon die Nachricht vom Tod ihrer Mutter. Vielleicht war dieser Tod ebenfalls natürlicher Art – vielleicht auch nicht. Shan-fei sagte, er wäre es – dass ihre Mutter an der Härte des nicht-endenwollenden Kampfes  und der Familienfehde starb. „Sie starb um meinetwillen“, sagt sie, und in ihrer Art das zu sagen ist keine Spur von Sentimentalität, nur eine leise Bewunderung und Stolz.

            Shan-feis Schulkameraden versuchten sie davon abzuhalten, nach Hause zur Beerdigung zu gehen. Doch es war mehr als nur der Tod der Mutter – es war der Tod einer Vorkämpferin für die Freiheit der Frau. Und Shan-fei, jung und unerschrocken und ein wenig stolz, den alten Feinden zweimal entkommen zu sein, dachte sie noch einmal besiegen zu können. Damit nichts schief ging, verabredete sie mit ihren Genossen in der Studentenvertretung, dass sie nach ihr Aussicht halten und ihr zur Flucht verhelfen, falls sie nach einer gewissen Zeit nicht nach Wuchang zurückkommt.

            Kaum war der Leichnam ihrer Mutter bestattet, wurde das Elternheim von Shan-fei von bewaffneten Männern umringt und sie wurde gewaltsam gefangen genommen und zum Haus ihres „Schwiegervaters“ gebracht, wo sie im Brautpaargemach eingeschlossen und sich selbst überlassen wurde, damit sie zur Vernunft kommt. Sie kam nicht zur Vernunft, sondern fing damit an, sich zu Tode zu hungern. Ihr eine Woche andauernder Hungerstreik wurde nur durch eine andere rebellische Frau aus der Familie des Grundbesitzers gebrochen.

            Diese Frau war die erste Ehefrau des Grundbesitzers; diese Frauen werden bei den Chinesen „Mutter“ genannt, um sie von den Konkubinen zu unterscheiden. Die alte Dame beobachtete dieses merkwürdige, rebellische Mädchen aus einer reichen Familie, um das sich ein jahrelanger Streit entfacht hatte, und entschloss sich ebenfalls, die alten Listen einer Frau einzusetzen, um die Freiheit des Mädchens zu gewinnen. Diese Freiheit, vom Hausherrn geschenkt, bedeutete lediglich die Freiheit, sich im Hausinneren und auf dem Gelände zu bewegen,erstreckte sich aber nicht auf die Welt hinter den hohen Steinmauern.

Bild 1

            In China, so sagt man, können keine oder wenige Geheimnisse bewahrt werden, und die Neuigkeiten reisen mit dem Wind. Vielleicht kamen deshalb ein Mädchen und zwei junge Männer von der Universität in Wuchang und bestochen einen Diener, damit er Shan-fei Nachrichten überbrachte. Schließlich erklomm eines Abends Shan-fei auf die eine oder andere Art und Weise die hohe Mauer und verschwand im Nebel auf der anderen Seite. In jener Nacht ritten Shan-fei und ihre Freunde bei Mondschein nach Wuchang.

            Es war der Spätsommer 1926 und China wurde von den Stürmen der Revolution erschüttert. Bald belagerten die Südarmeen Wuchang. Und Shan-fei gab ihr Studium auf und gesellte sich zu den Massen. Sie wurde Mitglied der Kommunistischen Jugend und bei der Arbeit dort traf sie einen Bauernanführer, in den sie sich verliebte und den die Massen liebten. Sie trotzte den alten Bräuchen, die sie an den Sohn des reichen Grundbesitzers fesselten und verkündete ihre Freiheit, den Mann, den sie liebte, zu heiraten. Und von jenem Tag an bis heute wurde ihr Leben so elementar wie der Kampf der Mutter Erde selbst. Sie lebte das Leben der armen Bauern, kleidete sich wie sie, aß was sie aßen, arbeitete so hart wie sie und stand  mit ihnen gemeinsam viele Male dem Antlitz des Todes an der Kampffront gegenüber. Selbst als sie ihr ungeborenes Kind in sich trug, richtete sie all ihre grenzenlose Kraft auf die Revolution; und als ihr Kind geboren wurde, nahm sie es zu sich auf den Rücken und machte mit ihrer Arbeit weiter.

            In jenen Tagen arbeiteten die Kuomintang und die Kommunistische Partei noch zusammen und Shan-fei wurde als eine der aktivsten weiblichen Revolutionärinnen als Anführerin der Frauenorganisation der Kuomintang in ihre Heimat geschickt. Dort wurde sie Mitglied des Revolutionstribunals, das die Feinde der Revolution vor Gericht stellte, das Land von den reichen Grundbesitzern konfiszierte und es unter den armen Bauern verteilte. Sie half, das ganze Land ihrer eigenen Familien und das ihres ehemaligen Verlobten zu konfiszieren.

            Als die Revolution eine soziale Revolution wurde, spalteten sich die Kommunisten und die Kuomintang, und der grausame Weiße Terror begann. Die Militaristen und die Feudalherren kehrten an die Macht zurück. Shan-feis Familie und die Familie ihres Verlobten baten die Kuomintang um ihre Verhaftung. Und der entsprechende Befehl wurde herausgegeben, was den Tod für sie und ihr Kind bedeutete. Zwei Frauen und drei Männer, die mit ihr arbeiteten, wurden gefangen genommen; den Frauen wurden die Brüste abgeschnitten und alle fünf wurden auf der Straße geköpft. Aber die Arbeiter bohrten Luftlöcher in einen Sarg, legten Shan-fei und ihr Baby dort hinein und trugen sie durch die schwer bewachten Stadttore hinaus auf den Friedhof jenseits der Stadtmauer. Von dort nahm sie ihre Reise nach Wuchang auf. Einmal wurde sie gefangen genommen, da ihr kurz geschorenes Haar sie als eine Revolutionärin ausgab, doch sie beteuerte ihre Unschuld mit ihrem Baby in den Armen und wurde befreit.

Bild 2.png

            Sie erreichte die Städte von Wuchang, nur um dann von der Kommunistischen Partei den Befehl zu erhalten, in die Schlacht im westlichen Hunan zurückzukehren, wo die Bauern sich zur Erntezeit bewaffneten, die Zahlung der Steuern und Abgaben verweigerten und die Konfiszierung von Landbesitz begannen. Shan-fei war in diesen Tagen mit ihnen; nachts schlief sie in den Wäldern auf den Hügeln, um sie herum die unruhig Schlafenden, die es nicht riskieren konnten, in ihren Häusern zu übernachten. Dann wurden Truppen gegen sie ausgesandt. Die Bauern wurden besiegt, Tausende geschlachtet, der Rest entwaffnet.

            Wieder kehrte Shan-fei nach Wuhan zurück. Und wieder wurde sie in den Kampf zurückgeschickt. Dieses Mal ging sie, getarnt als Mitglied der Kuomintang, in eine von Militaristen besetzte Stadt. Vor den Stadtmauern standen die Armeen der Bauern. Im Innern der Stadt arbeitete Shan-fei offiziell im Vorstand der Frauenorganisation der Kuomintang; insgeheim verbreitete sie Propaganda unter den Truppen und den Arbeitern. Dann traf der Chef der Rechtsabteilung dieser Stadt Shan-fei und verliebte sich in sie. Er war ein reicher Militarist, aber sie hörte aufmerksam seinem Liebesgeflüster zu und vergaß nicht, ihn über die Pläne auszuhorchen, wie die Bauern besiegt werden sollten. Er erzählte – und sie schickte die Nachrichten zu der Bauernarmee außerhalb. Einer der Anführer dieser Armee war ihr Ehemann.

Bild 3.png

            Wieder kehrte Shan-fei nach Wuhan zurück. Und wieder wurde sie in den Kampf zurückgeschickt. Dieses Mal ging sie, getarnt als Mitglied der Kuomintang, in eine von Militaristen besetzte Stadt. Vor den Stadtmauern standen die Armeen der Bauern. Im Innern der Stadt arbeitete Shan-fei offiziell im Vorstand der Frauenorganisation der Kuomintang; insgeheim verbreitete sie Propaganda unter den Truppen und den Arbeitern. Dann traf der Chef der Rechtsabteilung dieser Stadt Shan-fei und verliebte sich in sie. Er war ein reicher Militarist, aber sie hörte aufmerksam seinem Liebesgeflüster zu und vergaß nicht, ihn über die Pläne auszuhorchen, wie die Bauern besiegt werden sollten. Er erzählte – und sie schickte die Nachrichten zu der Bauernarmee außerhalb. Einer der Anführer dieser Armee war ihr Ehemann.

Bild 4.png

            Als Nächstes wurde Shan-fei zur technischen Arbeit für die Partei eingeteilt – sie war fürs Setzen und Drucken zuständig. Sie legte ihr Kind auf den Tisch neben sich und sang ihm leise vor, während sie arbeitete. Dann eines Tages wurde ihr Haus von den Soldaten durchsucht. Ihr Mann war fort und sie hatte das Haus nur für ein paar Minuten verlassen. Von weitem sah sie die Soldaten ihr Haus bewachen. Stunden später schlich sie ins Haus und fand ihr Kind. Die Soldaten hatten es in einen Wasserkübel geworfen und ertrinken lassen. All die zärtliche Fürsorge Shan-feis und ihres Ehemannes war umsonst, nichts konnte das kleine Ding zum Leben wiedererwecken. Shan-fei trocknete ihre  bitteren Tränen an der Wange ihres Mannes und kehrte zur Arbeit zurück.

            Manche Dinge geschehen auf seltsame Art und Weise. So geschah es eines Tages mit Shanfei; sie ging zu der Schule, wo sie einst Schülerin gewesen war, um den Direktor zu besuchen, und blieb über Nacht. Ganz früh am nächsten Tag wurde sie von lauten Stimmen geweckt. Sie glaubte die Stimme ihres Mannes unter ihnen gehört zu haben. Sie saß auf und hörte deutlich Stimmen, die riefen: „Wir sterben für den Kommunismus!Lang lebe die Revolution!“ Ihr Freund hielt ihre Ohren mit einem Kissen zu und stieß hervor: „Jeden Tag bringen sie Kommunisten her, um sie zu erschießen oder zu köpfen – sie nutzen die offene Fläche als Exekutionsplatz!“

            Einige Gewehrsalven ertönten und die lauten Stimmen verstummten. Shan-fei erhob sich und machte sich blindlings auf den Weg zum Erschießungsplatz. Die Soldaten marschierten ab und nur eine kleine Zahl von Schaulustigen stand ausdruckslos schauend vor der langen Reihe der leblosen Körper. Shan-fei stolperte vorwärts und fiel auf den noch warmen Körper ihres toten Ehemannes.

            Das Netz des Weißen Terrors schloss sich um Shan-fei, bis ihr befohlen wurde Wuhan zu verlassen. Sie ging von Stadt zu Stadt entlang des Yangtze, arbeitete in Fabriken und organisierte Frauen und Kinder. Nie konnte sie eine Stelle länger behalten, da ihre verkrüppelten Füße es für sie unmöglich machten, zwölf oder vierzehn Stunden an der Maschine zu stehen.

            Im Sommer 1929 war sie wieder an der Seite der Bauern in Hunan. Bei ihrem Auftrag, nach Changsha zu gehen, wurde sie eines Tages festgenommen. Bei ihr waren zwei Kommunisten, einer davon ein Bauernanführer. Sechs Monate saß sie im Gefängnis und wurde dann befreit, weil ein paar neue Militaristen die alten stürzten und als Racheakt viele Häftlinge befreiten. Doch den Bauernanführer befreiten sie nicht. Shan-fei bestach einen Gefängniswärter und erhielt die Erlaubnis, ihn zu besuchen, bevor sie das Gefängnis verließ. Um seinen Hals, seine Fußgelenke und seine Hände waren Eisenbänder gelegt, die mit Eisenketten verbunden waren. Die Lebenserwartung von solchen Häftlingen in China wurde auf zwei Jahre geschätzt. Shan-fei selbst wurde nicht angekettet. Doch kam sie mit einer Hautkrankheit, einem Magenleiden und einem Abszess aus dem Gefängnis, und ihre Haut war kreideweiß von Anämie. In diesem Zustand kehrte sie zur Bauernschaft zurück und nahm ihren Kampf auf.

            Im Frühling 1930 wurde sie als Delegierte zum Gesamtchinesischen Sowjetkongress geschickt. Nach diesem wurde sie von Freunden in ein Krankenhaus eingewiesen und ihr Abszess wurde operiert. Während dieser Zeit bewahrte sie die Übersetzung der Werke von Marx unter ihrem Kopfkissen auf und sagte einmal: „Jetzt habe ich Zeit die Theorie zu studieren.“

            Man wird  fragen: „Ist Shan-fei jung und schön?“

Bild 5.png

            Shan-fei ist fünfundzwanzig Jahre alt. Sie hat dunkle Haut und ein breites Gesicht. Ihre Augen sind so schwarz wie die Mitternacht, doch sie funkeln und scheinen durch eine Dunkelheit hindurchzusehen, die tiefer ist als die Mitternachtsschatten von China. Sie ist stämmig und von bäuerlicher Statur und es scheint, als ob sie schwer vom Grund zu trennen wäre – so elementar ist sie, als ob sie tief mit der Erde verwurzelt wäre. Schön? Ich weiß nicht – ist die Erde schön?