Frauen kämpft und wehrt euch!

Wir dokumentieren an dieser Stelle einen Artikel aus dem Klassenstandpunkt #5.

Frauen kämpft und wehrt euch!

Die Frauenbewegung in Deutschland ist, mit sehr wenigen Ausnahmen, in einem durchaus desolaten Zustand. Der Kampf um die Emanzipation der Frau befindet sich in diesem Land vor allem organisatorisch in einer Anfangsphase. Aber dieser Mangel enthält auch eine Chance. Es gibt ein großes Potential der Mobilisierung der Frauen für die Revolution, eine erhöhte Chance auf ein größeres Gewicht der Frauen im Aufbauprozess der Partei. Seit wenigen Jahren gibt es jedoch hier im Land Arbeit von Roten Frauenkomitees, die den proletarischen Feminismus auf die Tagesordnung gesetzt haben. Auch andere Teile der revolutionären Bewegung nehmen sich der Sache an und auch die Reaktion versucht auf diesem Gebiet zu punkten. Die Frauenfrage wird immer mehr zu einem Schlachtfeld und wir müssen unsere Aufgaben vereint, fest, rege und ernsthaftig erledigen.

Proletarischer Feminismus ist nicht einfach Frauenkampf plus Proletariat. Proletarischer Feminismus war und wird auch niemals eine Frage über den moralischen Charakter der Frauen sein. Proletarischer Feminismus ist eine Kriegserklärung gegen das Patriarchat. Proletarischer Feminismus ist Teil des Marxismus. Der Kern des Marxismus ist die Macht und alle politische Macht kommt aus den Gewehrläufen.

Feminismus an sich ist dem Wesen nach revolutionär, denn er teilt ein Ziel, die Aufhebung des Privateigentums, mit dem Proletariat, weil die Unterdrückung der Frau auf Engste mit dem Eigentum verbunden ist. Die Ursachen für die Unterdrückung sind, ebenso wie die Voraussetzung für die Emanzipation der Frauen und des Proletariats, die Selben. Aus diesem Grund steht in der BRD auch für die revolutionäre Frauenbewegung heute der Aufbau der Kommunistischen Partei an erster Stelle.

Lenin lehrt uns, zu den tiefsten und breitesten Massen zu gehen (was wir bereits des Öfteren erwähnt haben), mit ihnen zu leben, zu arbeiten, zu kämpfen. Wenn wir die am meisten Unterdrückten und Ausgebeuteten erreichen wollen, dann müssen wir zu den Frauen unserer Klasse und uns mit ihnen verbinden. Sie sind doppelt unterdrückt und ausgebeutet, durch Imperialismus und Patriarchat. Im Verhältnis zu ihren Klassenbrüdern haben sie darum immer mehr Grund zu kämpfen.

Wir müssen weibliche Militante schaffen. Wir müssen Revolutionärinnen schaffen. Die Befreiung der Frauen kann nur das Werk der Frauen selbst sein kann, genauso wie die Befreiung der Arbeiter nur das Werk der Arbeiter selbst sein kann. Es reicht nicht aus, dass das Proletariat die Macht erobert, dass die Kommunistische Partei führt, dass der Sozialismus aufgebaut wird, dass Gesetze geändert werden, es reichen nicht einmal die Kulturrevolutionen. Die Frauen müssen selber anpacken und diese Frauen müssen planmäßig ausgebildet werden, ebenso wie wir Kommunisten erschaffen müssen. Es darf keine Abhängigkeit von Männern in der Frauenarbeit bestehen. Die Frauenarbeit der Kommunistischen Partei muss auf den Frauen selbst basieren. Ansonsten erfüllen die Massenorganismen der Partei nicht ihren Zweck.

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Das führt uns zu der Frage, ob die Kommunistische Partei diese Arbeit führen kann. Sie kann es und sie muss es. Es geht dabei nicht darum, ob das Männer sind, sondern um die Partei. Wenn wir eine Frauenbewegung schaffen, die nicht nur ein Feigenblatt sein soll, dann muss der Frauenkampf auch in der Kommunistischen Partei entfaltet werden, d.h. wir brauchen viele Genossinnen und wir brauchen vor allem kommunistische Führerinnen.

An dem Punkt, wo die Frauen ihren Platz an der Seite der Genossen, als Schwestern in Waffen, einnehmen und nicht nur Unterstützungsarbeit, wie Kochen, Putzen oder Krankenpflege, leisten, kommen häufig patriarchale Kriterien innerhalb von unseren Organisationen zum Ausdruck. „In der Familie ist der Mann die Bourgeoisie“ (Engels) und diejenigen, die über Frauenkampf ohne Kampf gegen das Patriarchat, ohne Kampf gegen die Unterdrückung der Frauen durch die Männer reden, haben entweder das ABC des Marxismus nicht verstanden oder sie sind elende Reaktionäre. Der proletarische Feminismus muss im Kampf durchgesetzt werden. Auch in der Kommunistischen Partei. Auch heute, hier und jetzt, in unseren Organisationen. Wenn die Frauen die Männer von ihrem Thron stoßen, dann wird sich die Rechte dagegen erheben und das erfordert Vorbereitung und organisierten, entschlossenen Kampf.

Wenn wir diesen Kampf nicht führen, dann stählen wir keine Frauen, keine Frauen, die diesen Kampf führen können, dann können wir den proletarischen Feminismus nicht umsetzen. Letztlich bedeutet das, dass wir die einzige marxistische Taktik nicht umsetzten können – zu den tiefsten und breitesten Massen zu gehen. Es hängt also der gesamte Charakter unserer Organisation davon ab. Davon hängt ab, ob wir Marxisten sind oder nicht. Das ist etwas ganz anderes als eine „Nebenwiderspruchstheorie“.

Die Lösung der Probleme, die durch die bestehenden Unterschiede zwischen Männern und Frauen entstehen, ist schwer. Es verkompliziert die Führungsarbeit, wenn bspw. kleine Kinder da sind, auch wenn sich beide Elternteile um die Kleinen kümmern. Für solche Probleme müssen wir eine Lösung finden. Im Allgemeinen ist der Weg: Wir stützen uns auf die Massen. Die Massen kümmern sich um die Kinder und sie tun es gerne. Das ist viel mehr als die Lösung eines praktischen organisatorischen Problems, denn auf diese Art beginnen wir mit neuer und kollektiver Reproduktionsarbeit. Wir dürfen nicht bei Erklärungen stehenbleiben oder aus dem proletarischen Feminismus einen toten Mythos machen. „Frauen kämpft und wehrt euch!“ ist keine leere Worthülse, sondern das, was wir von den Frauen erwarten und letztlich die Forderung an die Frauen sich Macht zu nehmen und auszuüben, konkret und nicht formal, so wird das Prinzip „Frauen tragen die Hälfte des Himmels und sie müssen sie erobern“ (Mao Tse-tung) umgesetzt. Die Genossinnen müssen zeigen, dass sie die „minderwertige weibliche Natur“ nicht akzeptieren und dieses Joch zerschlagen. Das gilt natürlich auch für Genossen, aber Genossinnen haben als Herrinnen über ihr eigenes Schicksal eine besondere Verantwortung.

In der Kommunistischen Partei Perus findet der proletarische Feminismus Ausdruck in der Partei und auf Massenebene, z.B. beim Aufbau der Frauenbewegung des Volkes, nicht nur in den Stützpunktgebieten. Die KPP hatte (von den relevanten Parteien) die höchste Beteiligung von Frauen im Allgemeinen, eine knappe Mehrheit der Parteimitglieder waren Frauen, die Mehrheit im ZK waren nach dem 1. Parteitag Frauen, im Politbüro waren es teilweise 80%, im ständigen Ausschuss waren von drei Genossen zwei Frauen. Wir sehen eine Dominanz der führenden weiblichen Genossen in der Partei, in der revolutionären Armee und auch in der Armeeführung. Das ist im Allgemeinen, was wir für notwendig halten. Notwendig für die Emanzipation der Frau. Wir müssen das ganz klar haben, dass das die Voraussetzung und noch nicht die „Frauenrevolution“ selbst ist. Die Beteiligung der Frauen in der demokratischen, in der sozialistischen und in den Kulturrevolutionen schafft erst die Bedingungen für ihre Emanzipation. Jeder andere Standpunkt ist letztlich für die Verewigung des Patriarchats.

„Von jetzt an gerechnet sind die nächsten rund 50 bis 100 Jahre ein großes Zeitalter der radikalen Veränderung des Gesellschaftssystem in der Welt, ein weltumstürzendes Zeitalter, ein Zeitalter, mit dem sich keine der vergangenen Geschichtsperioden vergleichen kann. Da wir uns in einem solchen Zeitalter befinden, müssen wir uns darauf vorbereiten, große Kämpfe zu führen, die sich durch viele Merkmale in der Form von den Kämpfen in den vergangenen Epochen unterscheiden.“ (Mao Tse-tung: „Aus einer Rede vor einer Versammlung von 7.000 Personen im Jahre 1962“)

Dieser Herausforderung müssen wir uns stellen, sonst werden wir die Revolution nicht zum Sieg, sondern gewiss in die Niederlage führen. Wie sollte das nicht für die Frauen gelten? Grundsätzlich bestehen für die Frauenarbeit die gleichen Prinzipien, wie für die gesamte Massenarbeit und darum hat Frauenarbeit ihre Besonderheiten. Eine Besonderheit ist, dass Frauen systematisch in Apolitismus gehalten werden. Damit muss radikal gebrochen werden. Frauen dürfen kein Beiwerk  sein oder als Schmuck behandelt werden. Wir müssen für die Politisierung der Frauen ihren Optimismus wecken, ihre Kampfbereitschaft fördern. Dafür müssen wir uns mit den Problemen der Frauen vertraut machen und Lösungen für sie entwickeln. Der Vorsitzende Mao lehrt uns:  „Alle diese Fragen des täglichen Lebens der Volksmassen müssen auf unsere Tagesordnung gesetzt werden. Man muß sie erörtern, Beschlüsse dazu fassen, diese Beschlüsse in die Tat umsetzen und ihre Durchführung kontrollieren. Wir müssen den breiten Volksmassen klarmachen, daß wir ihre Interessen vertreten, daß wir mit ihnen die gleiche Luft atmen. […] die aufrichtige Liebe der breiten Volksmassen [erwerben] […] mit den Massen verbunden sein, ihre Aktivitäten entfalten, uns um ihr Wohl und Wehe sorgen, ehrlich und aufrichtig in ihrem Interesse arbeiten und die Fragen ihrer Produktion und ihres Alltagslebens […] lösen“ (in „Kümmern wir uns um das Alltagsleben der Volksmassen“). Wie sollte das nicht für die Frauen gelten? Kann es dann sein, dass wir nicht wissen, was den Frauen ernsthaft unter den Nägeln brennt? Können wir uns dann denjenigen unterordnen, die ihre eigene persönliche (sexuelle) Entfaltung an erste Stelle stellen, wenn es Frauen gibt die sich zwischen Arbeit und Reproduktion aufreiben, die zwischen Lohnarbeit, Kindererziehung und Hausarbeit kaum noch Luft zu atmen haben? Mitnichten! Und wir werden es auch nicht.

Da wir den Frauen ihren besonderen Platz einräumen besteht freilich die Möglichkeit, dass Führerinnen, die sich dieser Situation bewusst sind, darauf bauen, dass wenn sie sich nicht mit anderen Frauen verbinden, wenn sie keine anderen Frauen politisieren und mobilisieren, sie nicht dem Druck von unten ausgesetzt werden, sie sich selbst nicht entwickeln müssen. Es gibt solche Leute und für sie gilt:

Sie „betrachten die Grundsätze des Marxismus als abstrakte Dogmen. Sie erklären sich zwar für den Marxismus, sind aber nicht bereit, ihn in die Praxis umzusetzen oder dies in vollem Maße zu tun; sie sind nicht bereit, anstelle ihres Liberalismus den Marxismus zu setzen. Diese Leute haben einiges sowohl vom Marxismus als auch vom Liberalismus: Sie führen den Marxismus im Mund, handeln aber im Sinne des Liberalismus; anderen gegenüber sind sie marxistisch, sich selbst gegenüber aber liberal. Sie führen beide Sorten von Waren, und jede hat ihren eigenen Verwendungszweck. Das ist die Denkweise gewisser Leute.“ (Mao Tse-tung: „Gegen den Liberalismus“)

Wie sollten die Frauen aufzuhalten sein? Sie sind es nicht, ebensowenig, wie es das Proletariat auf seinem Weg seiner historischen Mission ist. Eine befreite Menschheit ohne befreite Frauen kann und wird es nicht geben. Aber es wird notwendigerweise die befreite Menschheit geben. Der Kommunismus ist historisch determiniert. Solange die Unterdrückung der Frauen Bestand haben wird, solange wird es einen Kampf dagegen geben, werden die Frauen für ihre Emanzipation streiten. Auf diesem leuchtenden Pfad des Kampfes zum Kommunismus haben sich Führerinnen wie Rosa Luxemburg, Clara Zetkin, Jiang Jing und Genossin Norah, viele weitere Genossinnen wie Edith Lagos und Liu Hu-Lan und die weiblichen Volksmassen unvergänglichen Ruhm erworben. Ihr Vermächtnis war, ist und bleibt unsere Verpflichtung und wir werden sie erfüllen.