Taten, nicht Worte!

 

Anfang diesen Jahres jährte sich die Einführung des Wahlrechts für Frauen in Großbritannien zum 100. Mal: am 06.02.1918 trat es rechtsgültig in Kraft. Hier ein kurzer Blick auf die Frauenbewegung, die für dieses Recht stritt:


Dieser Reform ist ein langer militanter Kampf der Frauen in Großbritannien vorangegangen. Geführt wurde der Kampf vor allem von den Suffragetten: Mitglieder der militanten Frauenrechtsorganisation Women’s Social and Political Union (WSPU), die im Oktober 1903 zunächst von nur 6 Frauen zur Erkämpfung des Wahlrechts (franz.: Suffrage) für Frauen, sowie zur Ausweitung der Rechte für Frauen gegründet wird. Im Jahre 1905 überzeugt die WSPU ein britisches Parlamentsmitglied einen Gesetzesentwurf für Frauenrechte einzureichen, dieser wird jedoch von dem ausschließlich männlichen Parlament abgelehnt. Als Reaktion darauf schließen sich immer mehr Frauen aus allen Klassen der WSPU an. Des weiteren ändert die Organisation ihre Strategie und bricht mit dem Parlamentarismus und Reformismus: fortan greift sie alle politischen Parteien an. Ihre leitende Parole und schnell Parole der gesamten Bewegung ist: „Taten, nicht Worten!“ (engl.: „Deeds not Words!“)

Sie organisieren Kongresse, geben eine monatlich-erscheinende Zeitschrift heraus und veranstalten zahlreiche Demonstrationen. Der britische Staat versucht durch Inhaftierungen und Gefängnisstrafen den Kampf der Frauen totzukriegen, doch solidarisieren sich daraufhin nur noch mehr Frauen, schließen sich der WSPU an und greifen zu noch militanteren Mitteln. Schnell verstehen sie, dass gegen die Gewalt des britischen Klassenstaats, der die Herrschaft der Bourgeoisie und die Unterdrückung der Frau verteidigt, nur Widerstand und Gegengewalt hilft. Die Notwendigkeit der direkten Aktion im Kampf um politische Rechte stellt sich als das wegweisend heraus.

Emmeline Pankhurst – eine führende Aktivistin – erklärt: „Das Argument der zerbrochenen Fensterscheibe ist das wertvollste Argument in der modernen Politik.“

Sie stören Wahlkampfveranstaltungen, greifen dabei Polizisten an, mit denen sie sich prügeln, und marschieren mehrfach bewaffnet aufs Parlament los um es zu stürmen. Dabei verwüsten sie auf ihrem Weg mit Hämmern und Steinen Schaufenster und Geschäfte im Regierungsviertel.

Gezielt richtet sich ihre Wut gegen die patriarchale Gesellschaft und den britischen Klassenstaat, der sie unterdrückt und ihre Rechte verweigert.

In Einzelaktionen werden große Landsitze angezündet, es folgen mehrere Bombenattentate, u.a. auf das Haus des reaktionären Schatzkanzlers David Lloyd George und auf die Westminster Abbey. Der britische Staat reagiert mit aller Härte, doch auch von der folgenden Welle an Massenverhaftungen lassen sich die Frauen nicht abschrecken.

Der erste Weltkrieg, der Frauen in die Produktion schickt, spielt ihnen in die Hände. Nach Kriegsende wird das Wahlrecht verabschiedet. Bis zum Jahre 1928 ist es allerdings beschränkt auf bürgerliche Frauen über 30, die über ein bestimmtes Privatvermögen verfügen. Proletarischen Frauen wird dieses Recht zunächst weiterhin gänzlich verweigert: ein Fakt, der in allen fast allen deutschen bürgerlichen Medien, die vom Jubiläum des britischen Wahlrechts für Frauen berichten, übergangen wird.

Hieran wird die Klassenfrage bei der Frage der Emanzipation der Frau deutlich: Im gegenwärtigen menschlichen Panorama unterscheidet die Klasse die Individuen mehr als das Geschlecht.(Josè Carlos Mariategui)


Alle Frauen werden vom Patriarchat unterdrückt, doch unterscheidet sich die Unterdrückung und Ausbeutung der Frau je nach Klassenlage. In imperialistischen Ländern dürfen mittlerweile alle Frauen wählen gehen – ob proletarisch, kleinbürgerlich oder bürgerlich. Dennoch ist die Klassenfrage weiterhin von entscheidender Bedeutung: Arme Frauen, die sich kein Kindermädchen und keine Putzhilfe leisten können, trifft das Patriarchat mit einer anderen Härte als kleinbürgerliche oder gut-situierte bürgerliche Frauen, die von der Hausarbeit größtenteils oder gänzlich freigestellt sind.

Das allgemeine Recht wählen zu gehen hat das Patriarchat nicht aus der Welt geschafft und über die Wahl der bürgerlichen Parteien wird dies auch nicht passieren. Denn die Herrschenden – ausnahmslos alle bürgerlichen Parteien, egal wie links oder rechts sie sich darstellen – verteidigen das Patriarchat, indem sie die Existenz des Privateigentums und der kapitalistischen Produktionsweise mit aller Gewalt verteidigen. Daraus folgt: unter der Herrschaft der bürgerlichen Parteien ist die tatsächliche Emanzipation der Frau nicht möglich. Die Herrschenden sind nicht Teil der Lösung bspw. durch ihre „Gleichstellungsgesetze“, die sie uns als Lösung vorschlagen, sondern Teil des Problems.

Nur ein proletarischer Feminismus, nur ein Feminismus der revolutionär ist, weil er die Ursache für die Unterdrückung angreifen will, und sich die Zerschlagung des Privateigentums zum Ziel gesetzt hat, kann das Patriarchat ein für alle Mal aus der Welt schaffen. Das Gesetz über die revolutionäre Gewalt bestätigt sich am Kampf der Suffragetten erneut.

 

DER ORIGINALARTIKEL IST AM 24. März 2018 AUF „DEM VOLKE DIENEN“ ERSCHIENEN. IHR FINDET IHN UNTER FOLGENDEM LINK: http://www.demvolkedienen.org/index.php/de/t-proletarischer-feminismus/2173-taten-nicht-worte-2