Marsch für das Leben? Wohl eher Marsch gegen Frauenrechte

Am 16. September 2017 fand zum 13. Mal in Berlin der „Marsch für das Leben statt, rund 7500 Teilnehmer reisten aus der ganzen BRD an. Hierbei handelt es sich um eine als „Trauermarsch“ getarnte Demonstration selbsternannter „Lebensschützer“ für ein generelles Abtreibungsverbot. Mit Kreuzen und Bannern „gedachten“ bzw. „trauerten“ die christlichen Fundamentalisten an diesem Tag an bzw. um die abgetriebenen Föten.

Anlässlich der Demonstration wurden von mindestens 2000 Gegendemonstranten kraftvolle Aktivitäten entwickelt, wir möchten an dieser Stelle ein paar Anmerkungen zu der Thematik der Abtreibung machen.

Auf den ersten Blick könnte man denken, dass eine Abtreibung in Deutschland bereits völlig legal und somit erlaubt und unproblematisch sei. Dies ist so jedoch nicht richtig – ein Schwangerschaftsabbruch ist in Deutschland grundsätzlich strafbar. Hiervon gibt es nur drei Ausnahmen und selbst wenn eine dieser drei Ausnahmen zutrifft, bedeutet dies nicht, dass die Frau problemlos einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen könnte.

Dies liegt unter anderem an den hierfür anfallenden Kosten. Diese werden zwar in Deutschland von der Krankenkasse übernommen, wenn die Schwangerschaft durch ein Sexualdelikt entstanden ist oder durch die Schwangerschaft eine gesundheitliche Gefahr für die Frau besteht. In anderen Fällen zahlt die Krankenkasse jedoch nur, wenn bei der Frau eine soziale Bedürftigkeit vorliegt, also „wenn das verfügbare persönliche Einkommen 1142 Euro im Monat nicht übersteigt und auch persönlich kein kurzfristig verwertbares Vermögen zur Verfügung steht“. Doch auch Frauen, die 1300 oder 1500 Euro im Monat zur Verfügung haben oder Bedürftige, die etwas Geld angespart haben, können sich die Kosten für eine Abtreibung (ca. 300 – 800 €) nicht mal eben so leisten. Auch muss die schwangere Frau zuerst zu einer entsprechenden Beratungsstelle und anschließend zu der Klinik fahren. Gerade im ländlichen Raum gestaltet sich dies teilweise sehr schwierig, da nicht in jeder Kleinstadt Beratungsstellen vor Ort sind und auch nicht jede Klinik eine Abtreibung durchführt.

Zu diesen beiden Aspekten kommt noch der enorme moralische Druck auf die schwangere Frau hinzu, da eine Abtreibung auch in Deutschland nicht gesellschaftlich anerkannt oder toleriert wird. Durch Anklagen wie „Du bist eine Mörderin! Du tötest dein Kind!“, wird die Frau, nicht nur von Außenstehenden sondern auch aus dem engsten Familien und Freundeskreis, dazu gedrängt sich umzuentscheiden und die Rolle einzunehmen, die das Patriarchat ihr vorschreibt – die Rolle der Mutter.

2016 wurden in Deutschland 98.721 Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt – in den Jahren davor sogar deutlich mehr und trotzdem gibt es so gut wie niemandem im eigenen persönlichen Umfeld, von dem man weiß, dass sie eine Abtreibung durchgeführt hat. Der gesellschaftliche Druck, die Angst vor Anschuldigungen und einem Ansehensverlust ist so hoch, dass die meisten Frauen ihre Abtreibung verheimlichen – selbst vor sehr guten Freunden oder der eigenen Familie.

Noch schwerer von den Folgen einer ungewollten Schwangerschaft betroffen sind jedoch die Frauen in den unterdrückten Nationen, da sich das Patriarchat hier offener zeigt. So gilt in sehr vielen dieser Ländern ein generelles Abtreibungsverbot.

Vor allem die katholische Kirche spielt hier eine große Rolle. Hat diese in einem Land eine hohe Stellung und viel Macht, so sind mit großer Wahrscheinlichkeit auch Abtreibungen verboten. Hierzu gibt es zahlreiche Beispiele, u.a. Irland, wo Abtreibungen trotz jahrelanger Kämpfe der Frauen nach wie vor verboten sind oder Polen, wo Ende letzten Jahres nur durch massive Proteste der Frauen eine Gesetzänderung, die ein Abtreibungsverbot zur Folge gehabt hätte, verhindert werden konnte.

Auch in Brasilien sind Abtreibung bisher nur bei Vergewaltigungen oder Mutterwohlgefährdung erlaubt – mit der Folge, dass täglich 2 Frauen durch illegale Abtreibungen sterben.

Weltweit haben jährlich 22 Millionen ungewollt Schwangere keinen Zugang zu einem sicheren und legalen Schwangerschaftsabbruch. Dies führt zu jährlich ca. 47.000 Toten durch illegale Abtreibungen. Hinzu kommen viele weitere Frauen, welche lebenslange körperliche Schäden durch den Eingriff behalten.

Das Kernargument der Abtreibungsgegner ist, das der sich in Entwicklung befindende Fötus bzw. das Embryo ein „Leben” ist, dass nutzen sie zum Einen als moralisches Druckmittel gegenüber Frauen, zum Anderen entspricht dass der Theorie der Menschlichen Natur, denn es besagt, das Menschen, in diesem Fall eine Zusammensetzung von Zellen, unabhängig von der Gesellschaft einen Wert in sich selbst haben. Das ist Metaphysik, und in der Konsequenz dieser Idee ist auch eine Eizelle oder ein Spermium Leben. Das führt dazu, wie es einige Katholiken – konsequent, das muss man ihnen lassen – beschwören, dass auch Verhütung „Mord” ist und somit verboten gehört.

Geht es den selbsternannten „Lebensschützern” also wirklich darum Leben zu schützen? Wohl kaum! Die oben genannten Zahlen zeigen eindeutig, dass ein Abtreibungsverbot keine Leben schützt, sondern Frauenleben beendet.
Den „Lebensschützern” geht es vielmehr darum, den Frauen das Recht auf den eigenen Körper und sie durch ein generelles Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen dazu zu zwingen, Kinder zu bekommen. Dies wird besonders durch die Erfahrungen von Genossinnen aus Österreich deutlich. In einem Bericht zum dortigen „Marsch der Familie” schreiben sie:
„Durch den Schulterschluss von außerparlamentarischen Faschisten wie PEGIDA (Wien), mit den religiösen Faschisten der „PRO VITA“ Bewegung und parlamentarischen Vertreter von FPÖ und ÖVP schaffte es der „Marsch der Familie“ dieses Jahr knapp 350 Leute für ihren frauenfeindlichen und faschistischen Marsch am 20. Juni zu mobilisieren.“
Doch nicht nur beim „Marsch der Familie“ sondern auch bei allen anderen gleichgesinnten Demonstrationen bemerkt man klar den Schulterschluss zwischen christlichen Fundamentalisten und rechten Gruppen und Parteien (z.B. Mobilisiert die AFD für den „Marsch für das Leben“ in Berlin). All diese Gruppen vereinen sich in ihrem Patriarchalen Rollenbild und tragen dieses gemeinsam auf die Straße.

Doch wer jetzt glauben mag: „Lebensschützer“ und AFD, PEGIDA, etc. stehen auf der einen Seite und CDU, SPD, Grüne, Linkspartei, etc. auf der anderen, der irrt gewaltig.

Auch hierauf sind die Österreichischen Genossinnen eingegangen: „Bei der diesjährigen Gegendemonstration des faschistischen „Marsch der Familie“ wurde wieder einmal klar deutlich welche Haltung der bürgerliche Staat zu grundlegenden Rechten der Frauen hat. Er beantwortete die gerechtfertigten Anliegen der Frauenbewegung mit Knüppel, Tränengas, Verhaftungen und Anzeigen und räumte faschistischen und frauenfeindlichen Kräften den Weg frei.“. Dies zeigt einmal mehr, dass das Patriarchat ein Teil dieses Systems ist und nur mit dem Imperialismus zusammen vernichtet werden kann.
Auch die vermeintlich „guten Parteien“ haben die Straffreiheit der Abtreibung (in besonderen Fällen) und generell alle Frauenrechte in der BRD nur nach langen und harten Kämpfen der Frauen umgesetzt und auch nicht, weil sie überzeugt sind dass diese richtig sind, sondern um die Frauen durch Zugeständnisse ruhig zu halten.

Die Befreiung der Frau, kann nur das Werk der Frau selbst sein! Aus diesem Grund ist es wichtig auf die Straße zu gehen und das Patriarchat zu bekämpfen.

Lasst uns das Recht auf Abtreibung verteidigen!

Lasst uns die patriarchalen Schweine (welche sich selbst als „Lebensschützer“ bezeichnen) demaskieren und von der Straße fegen!

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